Regelkunde - aus gegebenem Anlass
Januar 2003: Im Sommer 2003 kommt ein neuer Stichtag - was heißt das eigentlich?
Seit dem letzten Sommer steht fest, dass sich am 1.7.2003, also zu Beginn der Spielzeit 2003/2004, im Tischtennis in Deutschland der Stichtag ändern wird. Gut fünf Monate davor ist es an der Zeit, die Auswirkungen dieser Änderung einmal zu beleuchten.
Stichtag und Spielzeit - zwei verschiedene Dinge
Bisher war der Stichtag immer der 1. Juli zu Beginn einer Spielzeit, ab der nächsten Saison ist der Stichtag jeweils der 1. Januar mitten in der laufenden Spielzeit. Der Stichtag liegt dann also ein halbes Jahr später. An der Spielzeit selbst wurde übrigens gar nichts geändert. Auch in Zukunft läuft eine Spielzeit - das ist der offizielle Begriff für eine Saison - vom 1. Juli bis zum 30. Juni. Auch in Zukunft wird in der ersten Hälfte der Spielzeit die Vorrunde und in der zweiten Hälfte die Rückrunde des Punktspielbetriebes durchgeführt. Auch die Terminlage der Einzelmeisterschaften und Ranglistenturniere - von der Kreisebene bis zur Bundesebene - wurde nicht geändert. All diese Turnierveranstaltungen finden weiterhin etwa zur gleichen Zeit während der Spielzeit statt wie bisher - die Kreismeisterschaften also weiterhin zum Beispiel im Oktober.
Die Auswirkungen der Stichtagsänderung kann man nun am besten damit beschreiben, dass in der nächsten Spielzeit (und als Folgewirkung auch später wieder) einige Tischtennisspieler zu einer anderen Altersklasse gehören werden als es der Fall wäre, wenn die Stichtagsänderung nicht gekommen wäre. Geändert wurde übrigens nicht nur der Stichtag als solcher, sondern auch die Definition der einzelnen Altersklassen, in der festgelegt wird, wie alt man am Stichtag bzw. vor dem Stichtag sein muss, um in der Spielzeit dann zu einer bestimmten Altersklasse zu gehören oder eben noch nicht dazu zu gehören oder nicht mehr dazu zu gehören.
Wie bisher gilt übrigens, dass man vom ersten bis zum letzten Tag einer Spielzeit, also vom 01.07. bis zum 30.06., genau einer einzigen Altersklasse angehört, und zwar völlig unabhängig davon, wann man in dieser Zeit Geburtstag hat. Die genaue Lage des eigenen Geburtstags entscheidet zusammen mit dem Stichtag und der Definition der einzelnen Altersklassen lediglich darüber, welche (einzige) Altersklasse das in der gesamten Spielzeit ist. Es wird also wie bisher einmal vor der neuen Spielzeit (sagen wir beispielsweise einfach, am 30.06., also am letzten Tag der alten Saison) ermittelt, zu welcher Altersklasse ein Spieler in der neuen Spielzeit gehört, und daran ändert sich dann die ganze Spielzeit lang nichts mehr.
Ganz konkret: Wer gehört kommende Saison zur Jugend?
Nehmen wir als Beispiel mal die Altersklasse der Jugend: In der jetzt laufenden Spielzeit 2002/2003 gehören alle die zur Jugendklasse, die am Stichtag dieser Spielzeit (das ist jetzt noch der 1. Juli zu Beginn der Spielzeit - also der 1.7.2002) oder erst später 17 Jahre alt werden. Das sind genau all diejenigen, die nach dem 30.06.1985 geboren worden sind, also am 1.7.1985 oder später. Wer aber schon vor dem 1.7.1985 geboren worden ist, der ist auch schon vor dem Stichtag 1.7.2002 17 Jahre alt geworden und damit für diese Spielzeit 2002/2003 schon zu alt für die Jugendklasse.
In der kommenden Spielzeit 2003/2004 heißt die Definition der Jugendklasse dann: Zur Jugendklasse gehören all diejenigen, die am Stichtag der Spielzeit (das ist ab der kommenden Saison der 1. Januar mitten in der Spielzeit - also der 1.1.2004) oder erst später 18 Jahre alt werden. Das sind dann genau all diejenigen, die nach dem 31.12.1985 geboren worden sind, also am 1.1.1986 oder später. Wären die Änderungen nicht beschlossen worden, so hätten in 2003/2004 alle die zur Jugend gehört, die am 1.7.1986 oder später geboren worden sind - siehe oben. Daran sieht man, dass zusätzlich zu denen, die nächste Saison bei der alten Regelung zur Jugendklasse gehört hätten, jetzt auch noch all diejenigen weiterhin zur Jugend gehören, die zwischen dem 1.1.1986 und dem 30.6.1986 geboren worden sind, die also nach alter Regelung maximal ein halbes Jahr zu alt für die Jugendklasse gewesen wären und deshalb schon zur Erwachsenenklasse (Damen bzw. Herren) gehört hätten. Mit anderen Worten: Die ältesten Spieler der Jugendklasse werden zukünftig maximal ein halbes Jahr älter sein als bei der alten Regelung. Oder noch anders ausgedrückt: Wer in der ersten Jahreshälfte geboren worden ist, kommt in Zukunft eine Spielzeit später in die Erwachsenenklasse als bei der bisherigen Regelung.
Betroffen: Wer zwischen Januar und Juni geboren worden ist
Da jedoch gleichzeitig auch die Regelungen für die Schüler A-Klasse (und die Schüler B und C-Klasse) entsprechend geändert worden sind, setzt sich das Spielchen jetzt entsprechend fort: Die in der ersten Jahreshälfte Geborenen kommen nicht nur eine Spielzeit später in die Erwachsenenklasse, sondern auch eine Spielzeit später in die Jugendklasse - sie bleiben also eine Spielzeit länger in der Schüler A-Klasse.
Ganz allgemein kann man sagen: Ab dem 01.07.2003 kommen deutschlandweit alle in der ersten Jahreshälfte Geborenen eine Spielzeit später als bei der bisherigen Regelung (mit dem Stichtag 1. Juli) in die Schüler B-, Schüler A-, Jugend- bzw. Herren- oder Damenklasse und bleiben somit eine Spielzeit länger in ihrer bisherigen Altersklasse. Für die in der zweiten Jahreshälfte Geborenen ändert sich diesbezüglich übrigens gar nichts gegenüber der alten Regelung.
Bei den Senioren ändert sich mehr
Etwas anders sieht es jedoch in den Seniorenklassen aus. Auch hier wurde der Stichtag sechs Monate nach hinten verlegt - auf den 1. Januar mitten in der Spielzeit. Da die Definition der einzelnen Seniorenklassen jedoch nicht wie die der oben genannten Klassen um ein Jahr nach oben geschoben worden ist (bei der Jugend von 17 nach 18), sondern um ein Jahr nach unten (damit in Zukunft in Deutschland die Einteilung der Seniorenklassen im Einklang mit den internationalen Seniorenregelungen steht), ändert sich bezüglich des Eintritts in die einzelnen Seniorenklassen zukünftig für alle Spieler etwas. Alle in der ersten Jahreshälfte Geborenen kommen nun eine Spielzeit früher in die Seniorenklasse 40, 50, 60, 65, 70 bzw. 75 als ohne die Regeländerung, alle in der zweiten Jahreshälfte Geborenen dürfen jetzt sogar zwei Spielzeiten früher als bei der bisherigen Regelung in der jeweils nächsthöheren Seniorenklasse starten.
Ganz konkret: Senioren 40
Das soll am Beispiel der Senioren 40 einmal genau erklärt werden. Ab dem 1.7.2003 gehören in Deutschland alle am 31.12.1964 oder früher Geborenen zur Seniorenklasse 40. Das kann im Extremfall dazu führen, dass bei den nächsten Senioren-Kreismeisterschaften im Oktober 2003 die jüngsten Spieler der Seniorenklasse 40 erst 38 Jahre alt sind, so zum Beispiel die im November oder Dezember 1964 Geborenen. Das sieht auf den ersten Blick natürlich verrückt aus: Warum darf demnächst ein 38-Jähriger Kreismeister der Senioren 40 werden? Der Grund ist die oben schon genannte Angleichung an die internationalen Seniorenregelungen. Diese besagen, dass bei den offen ausgeschriebenen Senioren-Welt- und Europameisterschaften, die immer am Ende einer Spielzeit - meistens Ende Juni - stattfinden, alle teilnehmen dürfen, die spätestens im Veranstaltungsjahr 40 Jahre alt werden. An den nächsten Senioren-Weltmeisterschaften Mitte 2004 (in Yokohama in Japan) dürfen also alle teilnehmen, die spätestens im Veranstaltungsjahr 2004 40 Jahre alt werden, also im Extremfall jemand, der erst am 31.12.2004 40 Jahre alt wird und somit am 31.12.1964 geboren worden ist. Damit nun dieser Spieler, der am Ende der Saison 2003/2004 bei der Senioren-WM Senioren 40 spielen darf, während der Saison 2003/2004 in Deutschland auch (schon) Senioren 40 spielen darf (zum Beispiel bei den Senioren-Kreismeisterschaften im Oktober 2003), wurde die Definition der Seniorenklassen entsprechend geändert, so dass demnächst bis zu 18 Monate Jüngere als bisher zu den einzelnen Seniorenklassen gehören.
Langfristig überwiegen die Vorteile
Auf längere Sicht gesehen wirken sich die Stichtags- und Definitionsänderungen übrigens gar nicht aus: Wie bisher gehört auch in Zukunft jeder Spieler per Definition zwei Spielzeiten lang zur Schüler A-Klasse, drei Spielzeiten lang zur Jugendklasse, je zehn Spielzeiten lang zu den Senioren 40 und 50 und je fünf Spielzeiten lang zu den Seniorenklassen 60 und aufwärts. Kurzfristig gesehen werden allerdings in der kommenden Spielzeit einige Spieler einer anderen Altersklasse angehören als ohne die Änderung - wie oben erläutert. Einzelne Spieler werden durch die Umstellung ein bis zwei Spielzeiten "gewinnen" oder "verlieren" - je nach Sichtweise. Diese einmalige Umstellung sollte jeder jedoch positiv sehen, denn zwei Vorteile hat die Änderung in jedem Fall: Zum einen gelten demnächst in allen Altersklassen in Deutschland die gleichen Altersgrenzen wie international üblich, was vor allem für die Spitzenspieler gut ist, und zum anderen lassen sich in Zukunft die einzelnen Altersklassen in den Turnierausschreibungen viel einfacher formulieren, weil durch die Verschiebung des Stichtages auf den 1. Januar immer ein kompletter Jahrgang zu einer Altersklasse gehört und nicht mehr die eine Hälfte eines Jahrgangs eventuell zu einer anderen Altersklasse als die andere Hälfte. So heißt es in der nächsten Saison dann z. B. für die Jugendklasse ganz einfach: Jahrgänge 1986 und jünger. Das ist viel einfacher als bisher, weil man gerade bei der Meldung der Nachwuchsspieler zu Turnieren nicht mehr darauf achten muss, ob er vor oder nach dem 1. Juli geboren worden ist.
Neuregelung gilt schon bei den Kreisranglistenturnieren!
Da die Ranglistenturniere der kommenden Spielzeit 2003/2004 auf Kreis- und Bezirksebene (zumindest teilweise) schon vor dem 1.7.2003 ausgetragen werden, muss bei ihnen natürlich auch schon nach der neuen Alterseinteilung der Spielzeit 2003/2004 gespielt werden, weil sie eben zu jener Spielzeit 2003/2004 gehören, auch wenn sie schon davor ausgetragen werden. Deshalb gilt bei den kommenden Kreis- und Bezirksranglistenturnieren (und nur bei diesen) die Neuregelung auch schon vor dem 1.7.2003. Bei offenen Turnieren und im Punktspielbetrieb dagegen tritt die Änderung wirklich erst am 1. Juli 2003 in Kraft.
Und das ist sie nun - die Einteilung der Altersklassen in der Spielzeit 2003/2004:
Senioren 75: Jahrgänge 1929 und älter
Senioren 70: Jahrgänge 1934 und älter
Senioren 65: Jahrgänge 1939 und älter
Senioren 60: Jahrgänge 1944 und älter
Senioren 50: Jahrgänge 1954 und älter
Senioren 40: Jahrgänge 1964 und älter
Damen/Herren: Jahrgänge 1985 und älter
Junioren: Jahrgänge 1982 bis 1985
Unter 22: Jahrgänge 1982 bis 1988
Jugend: Jahrgänge 1986 und jünger
Schüler A: Jahrgänge 1989 und jünger
Schüler B: Jahrgänge 1991 und jünger
Schüler C: Jahrgänge 1993 und jünger
Oktober 2002: Falsches Ausfüllen des Spielberichtsformulars durch den Heimverein
Vorfall:
In der Jungen-Bezirksklasse (Werner-Scheffler-System) lässt sich der Heimverein vom Gastverein die Doppelaufstellung geben und trägt diese in den für die Mannschaftsaufstellung vorgesehenen Feldern des Spielberichtsbogens (oberer Bereich) richtig ein. Beim Übertragen der Doppel in die Felder für den Spielablauf (unterer Bereich) vertauscht er die beiden gegnerischen Doppel, woraufhin nicht DA1 - DB1 sowie DA2 - DB2 spielen, sondern DA1 - DB2 und DA2 - DB1.
Richtige Reaktion des Staffelleiters:
Der Mannschaftskampf muss kampflos mit 8:0 zugunsten des Heimvereins gewertet werden, weil der Gastverein mit falscher Doppelaufstellung gespielt hat.
Der Heimverein muss ein Ordnungsgeld zahlen, weil er das Spielberichtsformular falsch ausgefüllt hat.
Rechtsquelle(n):
WO/AB E 15 b: Falls kein Oberschiedsrichter eingesetzt wurde, ist die gastgebende Mannschaft für die Führung des Spielberichtsformulars zuständig.
WO/AB E 15 d: Die Mannschaftsführer haben sich davon zu überzeugen, dass die jeweiligen Mannschaftsaufstellungen und die Reihenfolge der Spiele richtig in das Spielberichtsformular eingetragen werden und die richtigen (aufgerufenen) Spieler an die Tische gehen. Fehler in der Mannschaftsaufstellung und dem Spielablauf gehen zu Lasten der betreffenden Mannschaft.
WO/AB E 16 b.a: Ein Spiel wird einer Mannschaft als verloren und dem Gegner als gewonnen gewertet, wenn sie einen Spieler oder ein Doppel einsetzt, der oder das für den Verein oder die Mannschaft bzw. für den Platz in der Mannschaft keine Spielberechtigung bzw. keine Einsatzberechtigung hat. Auf einem falschen Platz aufgestellte Spieler oder Doppel gelten als nicht einsatzberechtigt für den betreffenden Platz in der Mannschaft.
Kommentar:
Es mag auf den ersten Blick unglücklich geregelt sein, dass die Gastmannschaft die Punkte verliert, wenn die Heimmannschaft fahrlässig oder vorsätzlich das Spielberichtsformular falsch ausfüllt. Als früher die Regelung noch so lautete, dass solche Fehler immer zu Lasten des für das Ausfüllen des Spielberichts zuständigen Heimvereins gingen, ist es jedoch vorgekommen, dass böswillige Gastmannschaften dem Heimverein eine falsche Aufstellung ihrer eigenen Mannschaft untergeschoben haben, woraufhin der nichtsahnende Heimverein dann später die Punkte los war. Um solchen Missbrauch zu verhindern, wurde damals die jetzige Regelung eingeführt.
Seitdem muss sich jeder Mannschaftsführer von drei Dingen überzeugen: Erstens muss er überprüfen, dass seine Mannschaftsaufstellung (Einzel und Doppel) richtig in die dafür vorgesehenen Felder des Spielberichtsformulars (im oberen Teil) eingetragen wird. Zweitens muss er überprüfen, dass die richtige Aufstellung im oberen Teil dann auch richtig in den unteren Teil (den Teil für den Spielablauf, also mit den Spielpaarungen) übertragen wird. Und drittens muss jede Mannschaft selbst dafür sorgen, dass die Spieler auch an die richtigen Tische gehen.
Wenn also z. B. die Doppelaufstellung richtig aufgeschrieben wurde, die Doppelpaarungen richtig eingetragen und auch richtig aufgerufen wurden ("Meyer/Müller gegen Schulze/Wagner an Tisch 1") und dann dennoch die Spieler einer Mannschaft an die falschen Tische gehen (Schulze/Wagner gehen an Tisch 2, weil sie vielleicht nicht richtig zugehört haben oder nicht wissen, welches Tisch 1 und welches Tisch 2 ist und weil sie sowieso nicht wissen, wer von den ihnen unbekannten Gegnern nun Meyer/Müller sind), dann ist auch dieses ein Fehler, der zum Punktabzug für die Mannschaft mit den falsch angetretenen Doppeln führt. Also: Der Heimverein ist für das Ausfüllen (für die Schreibarbeit) zuständig - für die Kontrolle, dass das auch richtig gemacht wird, ist jede Mannschaft selbst verantwortlich, und zwar sowohl in der Herren-Verbandsliga als auch in der Schüler-Kreisliga.
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HH, letzte Aktualisierung: 16.02.2003